Stadtentwicklungskonzepte

Einflüsse der Politik werden regional und lokal sichtbar in Mustern der räumlichen Organisation von Funktionen. Sie sind jeweils Ausdruck der historischen Paradigmenwechsel in den Feldern des Wandels: Gesellschaft, Wirtschaft, Technologie, Produktion von Raum etc. Die örtliche Besiedlung von Landschaft ist Ausdruck der herrschenden Produktionsbedingungen seit der Industrialisierung.

Als Spiegel der politischen Wahrnehmung und Einschätzung von Bedingungen seien aktuelle Stellungnahmen der Beigeordneten der drei Städte zu den Erfordernissen des Stadtumbaus in Stichworten nachfolgend zusammengefasst8, in ihren Aussagen durch Auswertungen der Stadtentwicklungskonzepte ergänzt und dann durch Stellungnahme aus Sicht der Forschung kommentiert.

Magdeburg
Wohnungsleerstand ist das größte Problem (65% Leerstand im Altbau, 30% im Plattenbau mit zunehmender Tendenz dort und Bevölkerungszuwächsen in den Altbauquartieren); es trifft vor allem die Wohnungsunternehmen, deshalb müssen sie die Initiativen zur Lösung vorrangig tragen.
Potentialgebiete liegen im Ring um das Altstadtzentrum herum: Stadtfeld-West und –Ost, Sudenburg und Werder. Bevölkerungsgewinne gehen einher mit ausgewogenen Bevölkerungs- und Sozialstrukturen.
Ehemalige Dorflagen erfreuen sich eines enormen Zuwachses an Einfamilienhäusern; sie weisen keinen Handlungsdruck auf.
Großwohnsiedlungen mit neuen Infrastrukturnetzen werden bis auf die Kerne funktionierende Stadtteile zurückgebaut.
Eingriffs-Kategorien: „Gebiete ohne Handlungsdruck”, „Erhaltungsgebiete mit punkt-uellem Rückbau” „Umstrukturierungsgebiete mit größeren Abriss- und Neubaunotwendigkeiten”, „Schrumpfungsgebiete mit Abriss- und Rückbautätigkeiten”.
Die Verantwortung für die Abwägung stä-dtebaulicher und wohnungswirtschaftlicher Belange ist Sache aller Akteure am Verhandlungstisch.
Die Steuerung der Verwaltung findet Ausdruck in einem Stadtentwicklungskonzept (Bestand-ausnahme, städtebauliches Leitbild, Zielkonzepte mit gebäudekonkreten Aussagen), das unter Beteiligung der Öffentlichkeit in mehreren Arbeitsphasen entstanden ist und fortlaufend mit den Beteiligten abgestimmt wird.
Angestrebte Maßnahmen als Anpassung an zukünftige Wohnwünsche: z.B. Entkernung von Hinterhöfen, Abriss von Gebäuden und Schaffung von Stellplätzen.

Anmerkungen/ Kritik aus der Sicht der Forschung:

Keine eindeutige Konzeption für eine Veränderung der räumlichen Organisation von Funktionen im Verhältnis Stadt-Umland, Kernstadt-Ränder
Verkennung von Steuerungsbedarf bei den Dörfern

Halle
Größte Leerstände in den Großwohnsiedlungen Silberhöhe (EW-Rückgang von 1992-2001: 47,3 %) und Neustadt (EW-Rückgang von 1992-2001: 34,3 %)
NeubauPotential für den Zeitraum 2001-2010 geschätzt: 5600 WE, davon 3500 als Ein- und Zweifamilienhausbau für Selbstnutzer zu realisieren.
Abrisserfordernisse: 17.000 - 20.000 WE von 2001-2010, davon 12.000 in den Großwohnsiedlungen (2/3 des zukünftigen Leerstandes), 8000 WE im Altbaubestand (dies 1/2 des zukünftigen Leerstandes)
Abrissentscheidungen durch die Unternehmer eigenverantwortlich in Abstimmung mit der Stadt
Eingriffskategorien: „Umstrukturierungsgebiete mit vorrangiger Priorität”, „Umstrukturierungsgebiete ohne Priorität”, „Konsolidierte Gebiete mit Priorität”, „Konsolidierte Gebiete ohne Priorität”
Modellprojekt „Altbaumanagement” in der südlichen Innenstadt
Fortlaufende Wohnungsmarktbeobachtung

Anmerkungen/ Kritik aus der Sicht der Forschung:

Maßstäbe für Ziele und Orte des Stadtumbaus nicht erkennbar

Dessau
Eindeutige Leitziele für sektorale Entwicklung (Verkehr, Grün, Besiedlung)
Gegenüberstellung von geschätztem Wohnungsbedarf und Wohnungsangebot sowie resultierenden Wohnungsüberhang für 2010 (Trend-/ Stabilisierungszenario)
Gegenüberstellung von geschätztem Wohnungsbedarf und Wohnungsangebot sowie resultierenden Wohnungsüberhang für 2010 (Trend-/ Stabilisierungszenario)
Bilanz von Wohnungsneubau, -sanierung, - leerstand
Ziele zum Stadtumbau als Strategie: Visionen für Industrie, Urbanität, ökologische Nachhaltigkeit, Kultur und Sport
Ziele zum Leitbild Stadtumbau: Stärkung funktionaler Zusammenhänge, Ordnung städtebaulicher Strukturen ... Ausprägung identitätsprägender Merkmale

Anmerkungen/ Kritik aus der Sicht der Forschung:

Wohnen zuwenig integriert in Visionen veränderter Raumnutzung
Ziele der Qualifizierung von Raumstruktur und Teilräumen gut erkennbar