Unbebaute Räume

Unbebaute Räume - Bestand
Der Naturraum um Magdeburg ist durch eine Dreiteilung in Magdeburger Börde, Elbe-Urstromtal, Fläming-Westabdachung geprägt.

Geschützte Grünräume finden sich in erster Linie in den Gebieten östlich der Elbe im Bereich der Auenlandschaft, aber auch im Norden der Stadt in Verbindung mit der anthropogen geformten Seenlandschaft der Barlebener Seen. Die Landschaft um Magdeburg wird stark durch die von Süden nach Norden führende Elbe bestimmt. Das direkten Stadtumland kann in Elbauen, Hohe Börde und Niedere Börde sowie das Frohser Hügelland eingeteilt werden.

Die Landschaftsräume in Magdeburg umfassen also einerseits weite, naturbetonte bzw. extensiv genutzte Auengebiete (mit Altwässern, Auenwäldern, Feuchtgrünland – zahlreiche Schutzgebiete) östlich der Elbe mit einigen wenigen Auenwaldsituationen, beispielsweise dem Biederitzer Busch im Nordosten oder dem geschützten Waldgebiet südlich der Ortschaft Pechau. Hier finden sich auch die flächenmäßig umfangreichsten Wiesen- und Weideflächen in Stadtrandnähe besonders in Verbindung mit den flußnahen Uferzonen.

Andererseits befindet sich westlich der Elbe auf einem Höhenplateau die schwach wellige, ackerbaulich genutzte fruchtbare Bördelandschaft und schließlich einem kleinen, ebenfalls agrarisch bewirtschafteten Hügellandgebiet im Südwesten über der Elbe (Wellener Berge, Frohser Berge, Sohlener Berge).

Stadtbildprägend sind die im Westen der Stadt die Hochebene durchschneidenden kleinen Bachläufe (z.B. Schrote, Sülze oder Großer Wiesengraben) mit sich bis tief in die städtischen Siedlungsgebiete erstreckenden Grünverbindungen, welche die Elbeauen mit der offenen Bördelandschaft und dem Umland verbinden.

Die durch Besiedlung geprägten Grünräume unterstützen das Muster der flächenhaften Auflockerung von Siedlungsinseln, welche durch die Fragmente ehemaliger Festungsanlagen und Glacis zusätzlich zersplittert wirken. Alleen unterstützen in nahezu allen Lagen, - die nicht von den zentralen Nord-Süd- und Ost-West-Querungen durch Nachkriegsstraßenverbreiterungen betroffen sind, die Raumbildung und Aufenthaltsqualität entlang der Straßen. Dieses Merkmal zeugt von der frühen Planung von Zusammenhängen des Stadtganzen. Großflächige öffentliche Freiräume, vor allem Kleingartenanlagen, unterbrechen die Stadtlandschaft unregelmäßig, ohne den städtischen öffentlichen Räumen Konkurrenz zu machen. Der größte öffentliche Freiraum liegt auf der Elbinsel gegenüber der Altstadt und integriert, als stadtnaher landschaftlicher Erholungsraum, zentrale öffentliche Funktionen. Weitere wichtige Grün- und Erholungsräume bilden der Herrenkrug östlich der Elbe, der Nordpark im Bereich des Universitätscampus oder aber der innenstadtnahe Klosterbergegarten. Die im Siedlungsbereich verstreuten Friedhofsanlagen bilden ebenfalls wichtige grünräumliche Aufenthaltsräume.

In Bereichen stillgelegter ehemaliger industrieller Nutzungen sind eine Vielzahl großflächige Brachen und Leerstände erkennbar, die häufig entlang der Bahnanlagen oder in Verbindung mit stillgelegten bzw. umgenutzten Hafenanlagen (Buckau, Elbinsel, Alter Handelshafen) zu finden sind. (Abb. 47a)

Unbebaute Räume – Potentiale
Die Vergangenheit als Industriestadt des Schwermaschinenbaus hat die Stadt geprägt: eine Stadt in der sich die Zerstörungen des zweiten Weltkrieges in das Gefüge nachhaltig eingezeichnet haben, eine Stadt die geprägt ist von zahlreichen Fragmenten sozialistischen Wohnsiedlungsbaus. Die Stadt weist gegenwärtig eine Vielzahl über das gesamte Stadtgebiet verteilter Konzentra-tionen monofunktionaler Nutzung auf. Diese sind Ausdruck der im Stadtbild vielerorts präsenten ‚funktionalen Stadt‘, die seit der Moderne auch in Magdeburg als Leitbild der Stadtentwicklung ihren Niederschlag in der Architektur und städtischer Planung fand. Die seither entstandenen öffentlichen wie auch privaten Räume sind geprägt durch Monofunktionalisierung und Monotonisierung räumlicher Situationen zugunsten eines zunehmend dominierenden Individualverkehrs. Die Großflächigkeit dieser Nutzungen im Stadtgefüge gibt Hinweis darauf, dass eine Entflechtung von Funktionen in Magdeburg als besonders ausgeprägt bewertet werden kann. Diese Entflechtung wird zusätzlich verstärkt durch die den Stadtraum vielfach durchschneidenden Verkehrsachsen und Trassen.

In der Stadt Magdeburg finden wir in den ehemaligen Zentren der Schwermaschinenindustrie (im Süden angelagert an die einstigen Dörfer Buckau, Fermersleben, Salbke und Westerhüsen) sowie im Bereich des Industriehafens an der Elbe nördlich der Altstadt die flächenmäßig größten Konzentrationen an Industrie- und Gewerbeflächen aus der Zeit vor 1990, die in ihrem Ursprung bis in das 19. Jahrhundert zurückzuführen sind. Zudem bildeten sich auch entlang der Bahnanlagen Osten, nördlich der Altstadt im Bereich des Güterbahnhofes zwischen dem Stadtzentrum und der Neuen Neustadt wie auch im Westen nördlich des Stadtteiles Sudenburg solche Nutzungskonzentrationen heraus.

Aus der Zeit nach 1990 können Industrie und Gewerbeflächen in flächenhafter Konzentration vor allem in den Randlagen der Stadt nachgewiesen werden. Hier sind beispielhaft die im Norden an der A2 gelegenen Gewerbegebiete Großer Silberberg und der Technologiepark Barleben wie auch die südlich in enger räumlicher Verbindung zur Bundesstraße B81 und Autobahn A14 liegenden Gewerbeareale Beyendorfer Grund und Osterwedding zu nennen. In der Innenstadt wurden seit 1990 eine Anzahl großflächiger Verkaufs- und Gewerbeeinrichtungen entlang des Breiten Weges, der Otto-von Guericke-Straße in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes und entlang der Reuter-Allee realisiert.

Die flächenmäßig umfangreichsten Konzentrationen von Wohnnutzungen vor 1990 sind im Norden Magdeburgs im Bereich der Großwohnsiedlungen Olvenstedt, Kannenstieg, Neustädter Feld und Neustädter See angesiedelt. Kleinere Wohnsiedlungen aus dieser Periode finden sich außerdem den südlichen Stadtteilen an der Leipziger Straße, angelagert an die Siedlung Reform sowie im Nordteil der Innenstadt, die durch Kriegsschäden und sozialistische Wiederaufbauprogramme erheblich überformt wurde.

In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte die Stadt Magdeburg ein deutlichen Wachstum in den Randbereichen, dessen Folge eine nicht unerhebliche Anzahl an Wohnungsbauten ist, die sich vor allem in den südlichen Randgebieten der Stadt oftmals in Anlagerung an bestehende dörfliche Kerne entwickelten. Oftmals wurden mit solchen Siedlungen Lücken gefüllt und Siedlungsränder abgerundet.

Die bedeutendsten und flächenmäßig größten Militär- und Konversionsflächen befinden sich im Bereich des Cracauer Anger, einem bereits historischen Militärgelände, welches auf den Elbwiesen südlich des Herrenkrugs angelegt ist. Die Flächen, die nach dem Abzug der russischen Truppen freiwurden, erfuhren seither eine Umgestaltung in Form einer Erschließung als Wohnstandort mit zusätzlichen öffentlichen Funktionen und Sondernutzungen. (Abb. 47b)

Unbebaute Räume - Szenario
Das Szenario der unbebauten Räume nimmt alle potentiellen Flächen des Strukturwandels für Begrünung in Anspruch und schafft dadurch neue Bedingungen verbleibender Orte der Bebauung in parkähnlichen Gärten (z.B. Zentrum und Alte Neustadt). Vorindustriell angelegte Kerne werden als Ortschaften durch umgebende Begrünung gestärkt. Wohnsiedlungen und Kleingärten werden durch verbindende Grünanlagen aufgelockert und gerahmt. Die industriell geprägte Nord-Süd-Orientierung der Stadt wird zu einer spätindustriellen Folge von Unbebauten Räumen entlang der Transportwege Bahn und Fluß. Die Flussufer werden als „Zukunfsstandorte“ neu erfahrbar, Bebauung für hochwertige Nutzungen ist inselhaft in die durchlaufende Flusslandschaft integriert. Grünverbindungen werden als Inseln, Finger und Ringe ausgeprägt und ergänzen sich im „Stadtinneren“. Sie umgeben die verbleibenden Inseln der Besiedlung als großflächige Zusammenhänge geschützer Lanschafts- und Naturräume der Magdeburger Kulturlandschaft. (Abb. 48)