Private Räume

Private Räume - Verteilung von Typen
Die vollflächige Bebauung ist südlich der Ernst-Reuter-Allee in Form der großflächigen Einkaufszentren zwischen Hauptbahnhof und Elbe mehrfach vertreten.

Die geschlossene Bebauung betrifft große Teile des Zentrums westlich des Breiten Weges, in der Umgebung des Hasselbachplatzes, im Süden von Stadtfeld Ost und blockweise eingestreut in Stadtfeld (insbesondere Umgebung des Baches Schlote) sowie nördlich des Südfriedhofes, östlich von Buckau an der Bahnlinie. Halboffene Bebauung befindet sich an den Rändern der Neustadt zur Bahnlinie hin, entlang der Ausfallstraßen sowie zu den Stadträndern hin, Vor allem im Nordwesten (Neu-Olvenstedt und Kannenstieg) sowie im Süden (Reform) auch großflächig im Übergang zu ehemals dörflichen Strukturen. In Form der aufgegeben Orientierung zur Haupterschließung liegt die halboffene Bebauung vor im Universitäts- und im Hafengebiet sowie vor allem südlich der Walther-Rathenau-Straße in der weiteren Umgebung des Unversitätsplatzes. Hinzu kommen Bereiche im Süden der neuen Neustadt, in der Mitte der Leipziger Straße nach Süden und in Zwischenzonen zwischen Siedlungsanlagen seitlich der Ausfallstraßen nach Westen

Zwischen diesen Bereichen liegen großflächig eingestreut Flächen offener Bebauung, die zu den Rändern hin und nördlich von Stadtfeld die Orientierung zur Haupterschließung zunehmend aufgeben. Die Bereiche der vorindustriell angelegten Kerne umfassen in der Stadtmitte Übergänge zwischen geschlossener und halboffener Bebauung an den Rändern Übergängen von halboffener zu offener Bebauung. Freistehende Bebauung ist nur vereinzelt punktuell eingestreut, ohne das Raumgefüge teil- oder gesamträumlich zu beeinflussen. (Abb. 38)

Private Räume – Lesbarkeit
Im Zusammenhang mit den Fragmenten von mittelalterlich oder gründerzeitlich angelegtem Stadtgrundriss werden nicht nur geschlossene sondern auch halboffene Anordnungsformen der Bebauung eindeutig lesbar.

Dies betrifft im Zentrum der Altstadt Marktplatz und Domumgebung sowie Hasselbachplatz, in der Alten Neustadt Bereiche nördlich der Schifferstraße und die Umgebung der Gutenbergstraße, in der Neuen Neustadt die Umgebung der Kirche an der Lüneburger Straße sowie große Teile von Stadtfeld, gründerzeitlich geprägte Teile in Sudenburg sowie die ehemals dörflichen Bereiche am Ende der Ausfallstraßen am Westrand der Stadt (Alt-Olvenstedt, Diesdorf, Ottersleben) und die Bereiche der vorindustriellen Kerne entlang der Schönebeckerstraße nach Süden sowie auch östlich der Elbe parallel zum Fluss. In Magdeburg ist die Hierarchie der Kerne im Verhältnis zum doppelten Hauptkern von Dom und Rathaus/ Marktplatz im Stadtgefüge noch sichtbar.

Trotz der Bahnlinie und der Festungsanlagen haben die Ausfallstraßen starke Beziehungen zum Umland aufgebaut, die in Form zentraler Orte ihren Spiegel in der Lesbarkeit privater Räume finden. Im Kontrast dazu treten die Wohnsiedlungen vergleichsweise geringerer Lesbarkeit deutlich hervor. Keine bauliche Fassung des Raumes wird vor allem für Übergänge von verfestigten Kleingartensiedlungen zu Gartenanlagen und für die Flächen parallel zur Bahnlinie nach Osten festgestellt.

Dies betrifft Randbereiche im Westen und Osten der Stadt, aber auch in der weiteren Umgebung der industriell angelegten Kerne und zwischen unterschiedlichen Siedlungen mit Schwerpunkt nördlich von Stadtfeld-West. (Abb 39)

Private Räume – Nutzbarkeit
Nutzungsvielfalt findet beste Voraussetzungen im Zentrum mit Schwerpunkten in den Bereichen der vorindustriell gegründeten Kerne.

Gleichermaßen sind die vorindustriell angelegten Kerne entlang der Ausfallstraßen Orte besonderer Voraussetzungen für die Nutzbarkeit privater Räume. Bereiche vielfältiger Nutzbarkeit liegen in der Nähe der vorindustriell angelegten Kerne, z.B. Diesdorf, Olvenstedt, Rothensee, Cracau, Fermersleben und Westerhüsen. Höchste Werte liegen aber nicht nur in diesen baulich dicht genutzten Räumen, sondern ebenso eingestreut in das Siedlungsgefüge auf verfestigten Kleingartensiedlungen (z.B. nördlich der Neuen Neustadt und südlich Eichenweiler) oder in Form öffentlicher Gebäude, die bauliche Rahmen für vielfältige Nutzbarkeit bieten (z.B. Medizinische Akademie und Kreiskrankenhaus, Leipziger Straße).

Alle Flächen mittlerer Werte für Nutzungsvielfalt sind durch Wohnsiedlungen geprägt. Die Werte dieser Flächen für die Nutzbarkeit sind vor allem abhängig von den individuellen Nutzungsmöglichkeiten der Freiflächen.

Es zeigt sich, dass die Stadt Magdeburg insgesamt nur wenige Flächen mit geringer Nutzbarkeit aufweist, und dass die spannungsvolle Durchsetzung mit Flächen hoher Nutzbarkeit insgesamt im Stadtgebiet die Nutzbarkeit in ihren Werten anhebt (Abb. 40).

Private Räume – Wandelbarkeit
Größte Potentiale für Wandelbarkeit von Nutzung und Bebauung liegen in den verfestigten Kleingartensiedlungen und in den Gebieten mit offener Bebauung zwischen den Orten entlang der Ausfallstraßen, zwischen den Siedlungen und in der Umgebung der ehemals dörflichen Kerne. Konzentrationen der Potentiale für Wandel sind um die vorindustriell angelegten Kerne Ottersleben und Salbke zu finden.

Der Bereich östlich der Elbe, Cracau und Bruckfeld, zeichnet sich fast flächendeckend durch hohe Wandelbarkeit aus.

In der Innenstadt sind die Potentiale für Wandel insgesamt eingeschränkt, vor allem dort, wo historische Identität gefestigt wurde (Dom, Marktplatz) oder aber noch mehr eingeschränkt dort, wo die Zentren des Handels etabliert wurden (Bahnhofsumgebung). Insgesamt können die Randbereiche Wandel besser aufnehmen als die innerstädtischen Lagen. (Abb. 41)

Private Räume- „Topografie der Werte“
Das Bild der dezentralen Verteilung von Orten im Stadtgefüge kennzeichnet die Verteilung des Zusammentreffens der Werte.

Es zeigt sich, dass die Bereiche der vorindustriell angelegten Kerne sowohl im Zentrum wie auch in allen anderen Lagen die Identität der Stadt tragen, die Stadt lesbar und nutzbar halten und auch größte Potentiale für Wandel integrieren. Ausnahme ist das Gebiet des nahezu nicht mehr erkennbaren Kernes der alten Siedlung Frohse. Weitere Bereiche hoher Potentiale liegen südlich der Hugo-Junkers Allee, entlang der Wilhelm- Külz-Straße, Harsdorfer Straße, des Südrings und am Hopfenplatz.

Diesen einzelnen Orten nachgeordnet tragen die großen Flächenzusammenhänge der Wohnsiedlungen und verfestigten Kleingartensiedlungen mittlere Werte. Geringste Potentiale liegen entlang der Sanddornstraße, Rennebogen und Sternbogen sowie nördlich der Bruckstraße (Abb. 42).