Öffentliche Räume

Öffentliche Räume - Raumgefüge
Das Gefüge der öffentlichen Räume hat einen eindeutigen Schwerpunkt in dem ausgedehnten Siedlungsraum westlich der Elbe. Vorindustrielle Kerne liegen entlang der Überlandstraßen, die den Altstadt-Kern mit seiner Brücke über die Elbe aus vielen Himmelsrichtungen kreuzen. In Magdeburg folgt die zentrale Erschließung des Stadtraumes in Nord-Süd-Richtung dem Verlauf der Elbe, wird in zentraler Stadtmitte aufgeteilt auf zwei Straßenzüge, die einerseits die pure Verkehrsfunktion und andererseits die „heilige Mitte“ mit beruhigten Bereichen in der Umgebung des Domes darstellen.

Der mittelalterliche Altstadtkern bildet mit der nördlich angrenzenden, ursprünglich gründerzeitlich geprägten Neustadt einen eindeutigen räumlichen Zusammenhang als räumliche und funktionale Stadtmitte, abgegrenzt durch die Elbe im Osten und durch Straßen und Bahnlinien in Nord-Süd-Verlauf im Westen. Andere Zusammenhänge der Besiedlung bilden weiter westlich Konglomerate aus unterschiedlichen Perioden, die sich im Stadtgrundriss als Folge oder als Nebeneinander von Gründerzeit, 1920er Jahren, 1950er Jahren und Großwohnsiedlungen abzeichnen. Sie zeigen vielfach noch zentrale Orte entlang der radialen Überlandstraßen, oft in Übereinstimmung der Lage mit vorindustriellen Kernen, und sind meist durch zentrale öffentliche Räume eindeutig geprägt sind. Mit zunehmender Entfernung von der Stadtmitte sind Orte dörflicher Prägung noch neben Siedlungsgründungen der Vorwendezeit zu erkennen.

Zwischen diesen Dörfern und der Stadtmitte haben vielfältige Überformungen industrieller Prägung entlang den Überlandstraßen stattgefunden. Diese Überformungen prägen die Überlandstraßen noch fragmentarisch durch Bebauung aus der Gründerzeit, vor allem Gebäude ursprünglich gewerblicher Nutzung.

Die Überformungen waren in den 1920er Jahren durch Wohnsiedlungen zum Stadtrand hin abgerundet worden. Die Großwohnsiedlungen der 1960-1980er Jahre haben jedoch weiter außerhalb neue, abrupte Stadt-Land-Gegensätze im Übergang zur Landschaft, z.B. Olvenstedt, geschaffen. (Abb. 43)

Öffentliche Räume - Hierarchien
Die zentrale öffentliche Mitte im Altstadtkern findet nur eingeschränkt Entsprechung in den stadtteilbezogenen dezentralen öffentlichen Räumen. Diese sind ohne erkennbare Zusammenhänge inselhaft verstreut und werden eher als Überraschung neben einer Hauptstraße denn als Orientierung im Stadtraum erfahren. Dies mag vor allem dadurch begründet sein, dass auch die Typologien der privaten Räume gleichermaßen vielfältig und durchbrochen sind wie die öffentlichen Räume.

Alter Markt, Domplatz und Breiter Weg als öffentliche Räume oberzentraler Bedeutung (Mittelalterlicher Ursprung)Deutliches Hierarchiegefälle von innen nach außen zwischen den oberzentralen Orten der mittelalterlichen Stadtzentrums (Markt, Domplatz..) und den Räumen der städtischen Erweiterung aus verschiedenen Phasen
Stadtteilzentrale Platzräume im Stadtteil Sudenburg und Neue Neustadt (Napoleonische Gründungen)
Netzwerk an weniger hierarchisch organisierten Straßen und Platzräumen in den Stadtteilen aus der Gründerzeit (Stadtfeld Ost, Brückfeld und Buckau) und den Siedlungen des „Neuen Bauens” aus den 1920/ 1930er Jahren (Reform, Beims-Siedlung, Curie-Siedlung)
Gering hierarchisch organisierte Straßen- und Platzräume aus der Zeit des sozialistischen Stadtplanung (1955-1989) mit flächenhaften öffentlichen Freiraumnutzungen, hoher Verkehrsfunktionalität und fehlenden privaten Flächennutzungen (Neu-Olvenstedt, Kannenstieg, Neustädter Feld, aber auch im Stadtzentrum – besonders in Bereichen der nördlichen Innenstadt)

Eine insgesamt nivellierte Hierarchie städtischer Räume in Bereichen der Stadterweiterung nach 1989 (Einfamilienhaussiedlungen, Gewerbegebiete Großer Silberberg. (Abb. 44)

Öffentliche Räume - Brüche
Die städtebaulichen Brüche im Stadtraum sind vielfältig und kreuzen die Stadt in unterschiedlichen Richtungen. Größten Anteil an diesen Brüchen haben die Straßenausbauten im Verlauf der alten Überlandstraßen sowie das industrielle Nebeneinander von Gewerbe und Wohnen.

Die Konzentration von Wohnnutzung aus der Zeit vor 1990 ist überwiegend „inselhaft“ integriert. Sie hat nur im Nordwesten der Stadt große Flächen besetzt. Brüche sind verursacht durch die Festungsanlagen (Schleifung 1870), die Bahnanlagen u.a. eingelagert in die Bereiche der ehemaligen Festungsanlagen, die Transformation des Stadtzentrums durch Kriegsschäden und Wiederaufbau nach dem II. Weltkrieg, die flächenhafte industrielle Nutzungen, vor allem entlang des Flusses und der Gleisanlagen, die Führung der Bundesstraße B189 durch das Stadtgebiet. (Abb. 45)