Reform

Daten
Um 1910, Anlage der Gartenstadtsiedlung von Bruno Taut zur Auflockerung der Baugebiete in der Wilhelmstadt

Öffentliche und private Räume
Siedlungserweiterung aus den 1920er Jahren entstanden in unmittelbarer Nähe zu einer ehemaligen Fortanlage (Teil der Festungsringes um die Stadt)
Eindeutige Orientierung im öffentlichen Raum
Vielfältige öffentliche Räume
Differenzierung der öffentlichen Räume
Deutliche Differenzierung des Überganges zwischen öffentlichen und privaten Räumen
Wandelbarkeit der öffentlichen Räume (selbst der PKW der heutigen Mobilitätsgesellschaft findet hier noch seinen Platz)
Vorhandensein verschiedenartiger Raumsi-tuationen (kleine Wohngebietsstraßen, breitere Hauptwege, Hofsituationen)

Kerne - Ränder - Zwischenzonen
Die zentrale Mitte der Siedlung mit Platz und Geschäften bildet einen Ansatz zu einer Kernbildung. Ränder sind erkennbar durch das enge Nebeneinander von Siedlungseinflüssen unterschiedlicher Bauperioden (etwa fünf Anordnungsformen unterscheidbar). Als räumlich nicht eindeutig erfahrbare Zwischenzonen wirken sowohl die Plattenbausiedlungen wie auch die Kleingarten-, und die Einfamilienhaussiedlungen

Erneuerungstätigkeiten und Bodenwerte
Die Siedlung ist dicht genutzt. Sie zeigt eine Renovierung der mehrgeschossigen Mietwohnungsbauten und eine vielfältige, individuelle Erneuerung der Einfamilienreihenhausbauten. Insbesondere die privaten Gärten zeigen Nutzung und Pflege sowie die individuelle Ausdehnung von Lebensräumen in die Gärten hinein. Die Bodenwerte zeigen dort geringere Werte, wo Renovierungen noch nicht erfolgt sind.

Gebaute und gelebte Räume - Bestand
Die Siedlung stellt die besten Voraussetzungen dar für eine kleinteilige Verbindung gebauter und gelebter Räume. Zusätzlich gibt es innerhalb und außerhalb der Siedlung eindeutig erfahrbare Orte für den Aufenthalt. (Abb. 80)

Gebaute und gelebte Räume - Szenario
Nachgeordnet zentrale Orte in der Siedlung werden für Versorgungsangebote in ihrer Nutzung intensiviert. (Abb. 81)

Empfehlungen
Orte
Zu stärken ist vor allem der zentrale Platz der Siedlung mit Geschäften. Eingänge in die Siedlung könnten als Orte gestärkt werden, indem Geschäfte dort angesiedelt werden. Das Gefüge der öffentlichen Räume sollte durch neue Orte gestärkt werden.

Öffentliche Räume
Raumbildende Begrünung in privaten Vorbereichen sollte die Öffentlichkeit der öffentlichen Räume stärker betonen und die Siedlungsteilräume noch klarer lesbar machen.

Private Räume
Die Übergänge zwischen privaten und öffentlichen Flächen sind teilweise sehr eng gehalten. Die Vorbereiche sollten ihrer Bedeutung für die öffentlichen Räume entsprechend bepflanzt werden. Vor allem die rückwärtigen Flächen der privaten Räume sind für die privaten Nutzungen zu reservieren. Private Nutzungen sollten auch nicht störende gewerbliche Nutzungen und Dienstleistungen umfassen dürfen.

Unbebaute Räume
Alle umgebenden und integrierten unbebauten Räume sollten erhalten und fortgeführt werden. Von einer Verdichtung ist abzusehen. Grünräume zwischen Siedlungsbereichen sollten diese durch Wegenetze miteinander verbinden.

Teilbereich Brenneckestraße - Siedlungsmitte
Der Teilbereich zeigt den Anschluß der Siedlung an die erschließende Straße mit ursprünglich großflächiger gewerblicher Nutzung. Die Ausrichtung der Straßen in ihren Fluchten auf die benachbarte Gewerbenutzung spiegelt die gründerzeitliche Hierarchie industrieller Räume. Die planmässig angelegte Unregelmäßigkeit des Siedlungsgrundrisse trägt der Topografie Rechnung, lockert die Achsialität der Anlage in ihrer zentralen Mitte auf und spiegelt Raumhierarchien, die unter Idealen des künstlerischen Städtebaus entstanden sind. Die Siedlung zeigt stabile Raumnutzungen und Erneuerungstätigkeiten. Die kleinteiligen Einfügungen aus den 1920er Jahren („Konsumgebäude“) sollten als Treffpunkt erneuert und erhalten werden. Falls südlich angrenzen Flächennutzungen brachfallen, wäre eine Erweiterung der Siedlung interessant. (Abb. 82/83/84)