Gesundbrunnen

Daten
1926 - 1931 wurde die “Gartenstadt Gesundbrunnen”, dem Leitbild “Neues Bauen” folgend, als Stadterweiterung nach Südwesten östlich der Saale errichtet
1950 - 1970 wird der Anschluss der Siedlung an die Stadt nach Norden und die südliche Erweiterung zur Südstadt hin vollzogen. Auf 90,0 ha Fläche sollten 13,000 Menschen wohnen
Bis heute wurden keine wesentlichen Veränderungen vollzogen

Öffentliche und private Räume
Städtische Siedlung aus den 1920/30er Jahren in räumlicher Nähe zum alten Dorfkern von Böllberg am Ufer der Saale – Zugang zum Wasser nicht möglich
Bestehende räumliche Verbindung zwischen dem alten Ortskern und der Siedlung durch die kreuzende Hauptverkehrsachse des Böllberger Weges erheblich gestört
Eindeutige Lesbarkeit der öffentlichen und privaten Räume und ihrer Übergänge
Vielfältige Differenzierung der öffentlichen Räume – diese sind aber minimalisiert
Monofunktional angelegte Siedlung mit einigen Versorgungsfunktionen entlang der Haupterschließung am Böllberger Weg

Kerne – Ränder – Zwischenzonen
Aufgrund der vorherrschenden Wohnnutzung hat die Siedlung Gesundbrunnen, sowie ihre Nachbarschaften, suburbanen Charakter und trägt keine Merkmale eines Kernes. Am Rande, zur Saale hin, in Verlängerung des Passendorfer Weges, sind jedoch Merkmale von alten Kernnutzungen in Form einer Kirche, einer Gaststätte und kleinteilig integrierter Gewerbenutzung in dörflich strukturierte Bebauung zu erkennen.

Ränder werden gebildet durch die umgebenden Hauptverkehrsstraßen Böllberger Weg im Westen, Pestalozzistraße im Norden, Paul-Suhr-Straße im Osten und Diesterwegstraße im Süden. Während der Böllberger Weg verkehrsfunktional ausgebaut ist und die Saale-Ufer abtrennt, tragen die anderen Straßen durchaus auch hohe Verkehrsaufkommen, bilden jedoch räumliche Übergänge nach Norden, Süden und Osten. Das „Rückgrat“ der Siedlung besteht in einem mittigen Grünzug (Pestalozzi Park), der über Pestalozzi- und Diesterwegstraße hinweggeht und auch öffentliche Gebäude und eine Eisdiele an der Diesterwegstraße einbindet.

Als Zwischenzone ist die Ufersituation westlich des Böllberger Weges zu bezeichnen, die jedoch große Potentiale für eine neue Kernbildung birgt.

Erneuerungstätigkeiten und Bodenwerte
Die Siedlung ist dicht genutzt, kleinteilig oder kommunal erneuert und im öffentlichen Raum durch die Anlage von Stellplätzen modernisiert. Die Bodenwerte spiegeln diesen Zustand reger Nachfrage.

Vorkriegssituation
Die Siedlung Gesundbrunnen ist mit mittiger Parkanlage vollständig angelegt; umgebende Sportplatze, öffentlichen Gebäude und benachbarte Kleinsiedlungen sind vorhanden. Die Saale Ufer sind in gemischter Nutzung dörflicher Strukturen unregelmäßig aber relativ dicht bebaut. Der Böllberger Weg führt in das Dorf Wörmlitz hinhein und von dort aus, mit deutlicher Biegung, nach Süden entlang der Saale Ufer weiter. Die Wegeverbindung aus der Siedlung Gesundbrunnen Richtung Rabeninsel, bzw. Richtung Fabrik am Ufer ist vorhanden. Die Kreuzung mit dem Böllberger Weg ist eng; der Böllberger Weg ist südwestlich dieser Kreuzung straßenbegleitend bebaut.

Die Paul-Suhr-Straße ist im Bereich der Siedlung Gesundbrunnen breiter angelegt als südlich der Diesterwegstraße. Eine torartige Öffnung in der Bebauung parallel zur Paul-Suhr-Straße im Kreuzungsbereich Passendorfer Weg, Meisenweg, betont die Bedeutung der Siedlung Gesundbrunnen, das Tor in der Bebauung als Eingang zu einer weiterführenden Wegeverbindung und letztlich den Weg über 2 siedlungsinterne Plätze hin zum Böllberg. (Abb. 130)

Vorwendesituation
Die Bebauung südlich der Diesterwegstraße ist durch Wohnbebauung (Platten), Schulen und Sportplätze erweitert und verdichtet worden. Die Modernisierung dieses Stücks Stadt ist im Wesentlichen getragen durch den Ausbau des Böllberger Weges als 4-spurige Straße und seine Überleitung in den Wilhelm-Pieck-Ring unter Umgehung des Dorfes Wörmlitz. (Abb. 131)

Nachwendesituation
Der autogerechte Ausbau der Südstadt bestimmt das Bild des Teilraumes. Die Lesbarkeit ist gewährleistet durch die zentralen Nord-Süd-Straßen sowie durch die schmäleren Unterteilung der Ost-West-Straßenverbindungen. Einzelne Siedlungszusammenhänge bilden klar erkennbare Bereiche. Die Lesbarkeit des Stadtgrundriß verschwimmt südlich der Diesterwegstraße im Übergang zu unterschiedlichen Gruppen von Plattenbauten, die in großer Höhe und mit immenser Verschattung vordere Räume addieren und nahezu alle dies Räume für den ruhenden Verkehr geöffnet haben. Der Ort Wörmlitz ist von den anderen Teilräumen durch die ringartige Verkehrsführung eher abgeschnitten denn erschlossen. (Abb. 132)

Gebaute und gelebte Räume - Bestand
Die siedlungsöffentlichen Räume sowie die privaten Gärten bilden ein dichtes und differenziertes Netz von gelebten Räumen. (Abb. 133)

Gebaute und gelebte Räume – Szenario
In Verlängerung des Passendorfer Weges wird der bestehende Kernrest straßenübergreifend gestärkt. Von dort erfolgt eine Öffnung der Uferlagen. (Abb. 134)

Empfehlungen
Orte
Die Kreuzung Böllberger Weg, Passendorfer Weg sollte straßenübergreifend in ihren Ansätzen zur Kernbildung durch Ergänzungen von Nutzung und Bebauung gestärkt werden.

Öffentliche Räume
Die Durchlässigkeit der Siedlungsanlage für Blick- und Wegebeziehungen ist äußerst wertvoll und sollte erhalten, fortgeführt und durch niedrige, raumbildende Elemente in den Vorbereichen (z.B. Hecken) gestärkt werden. Eine Ausdehnung der Stellplätze innerhalb der Siedlung sollte vermieden werden. Stellplatzbedarf für Besucher kann, falls erforderlich, westlich des Böllberger Weges zur Saale hin in Verbindung mit einer Öffnung der Ufer verbunden werden.

Private Räume
Die Gliederung der privaten Räume in 3-geschossige Mietwohnungsbauten in der Umgebung zentraler Platzanlagen (Senkendorfer Straße) und umgebende ein-zweigeschossige Bebauung der Einfamilienhäuser ist für das Siedlungsbild belebend. Die privaten Gärten und ihre individuelle Nutzung bilden die Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten in enger Verbindung von gebauten und gelebten Räumen ab und zeigen den hohen Wert der Siedlung als Lebens- und Verflechtungsraum.

Unbebaute Räume
Die Vielfalt der unbebauten Räume (öffentliche Räume und Park. gemeinschaftliche Vorgärten und Gärten, private Gärten und Wegenetz, Uferflächen) bieten ein breites Potential für Aufenthalt und gebäudenahe Erholungsnutzungen. Dieses Potential sollte in die Uferflächen hineingehend erweitert werden und die Siedlung an die Saale anbinden.

Teilbereich „Böllberg“
Der Teilbereich zeigt die räumliche Nähe zwischen dem Eingang zur Siedlung „Gesundbrunnen“ und der „Rabeninsel mit der Schleuse „Böllberg“. Ebenso wird die Barriere deutlich, die der „Böllberger Weg“ als Verkehrsschneise zwischen Ufer und Siedlung gelegt hat. Die Achsialität der Siedlungsanlage legt nahe, die Verbindung der zentralen Ost-West-Siedlungsachse mit der Umgebung zu suchen. Topografisch (leichtes Gefälle zum Fluß hin), und landschaftlich (unmittelbare Nähe von Saaleinseln und Schleuse) sind dafür allerbeste Voraussetzungen gegeben. Die Verbindung wäre mit entsprechenden Stützorten zu beiden Seiten des Böllberger Weges ,- auch im Sinne einer Ergänzung von Versorgungsangeboten für die Siedlung -, anzulegen und dann als Überbrückung der Saale bis hin zur Rabeninsel herzustellen. Die kleinteilige private Bebauung an Saaleufer würde dies zulassen. Die Ruinen einer gründerzeitlichen Fabrik und ihres Herrenhauses wären auf Renovierbarkeit und Umnutzbarkeit zu prüfen und als Identifikationsorte in einer spannungsvollen Landschaft neu herzustellen.