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Private Räume - Verteilung von Typen Der Typ der vollflächigen Bebauung ist, mit Ausnahme von Bahnhof und Kirchen, nicht vertreten. Geschlossene Bebauung (ohne Vorbereiche) hingegen umfaßt viele Bereiche, meist Blöcke, der Innenstadt (Altstadt, Paulusviertel und Bereiche südlich der Magistrale). Diese geschlossenen Zusammenhänge sind umgeben von halboffener Bebauung mit oder ohne Vorbereiche. Offene Bebauung ergänzt beide Typen in allen Teilräumen. Die geschlossene Bebauung zeigt stärkste Anteile im Paulusviertel und Reste östlich der Altstadt und östlich des Bahnhofes. Die halboffene Bebauung zeigt stärkste Anteile im Süden, Westen und Norden sowie Osten der Stadt, wo seit 1920 Randerweiterungen Siedlungsbau angelegt haben. Die offene Bebauung zeigt stärkste Anteilean den äußeren Rändern im Norden, Nordwesten Süden und Nordosten der Stadt, wo jüngste Randerweiterungen auf dörfliche Strukturen treffen. Er umfasst teilweise auch die örtlich besonderen Anordnungen der vorindustriell angelegten Kerne in den Randlagen. (Abb. 91)
Private Räume - Lesbarkeit Die gesamte Innenstadt zwischen den Saale-uferhöhen von Peißnitz und Pulverweide zeigt gleichartige Merkmale der eindeutigen baulichen Fassung privater Räume. Geschlossene und halboffene sowie offene Bebauung gehen hier Synthesen ein, die sowohl durch die Ausrichtung der Bebauung wie auch die Aufteilung der öffentlich Räume in geometrischer Strenge (Innenstadt Süd), mit zentralen Blickbezügen (Paulusviertel) sowie durch das dichte und engverflochtene Netz der öffentlichen Räume mit Ausrichtung zu den Saaleufern (Zentrum Altstadt) eindeutig bestimmt sind. Gebiete gleicher Lesbarkeiten bilden stadtteilübergreifende Zusammenhänge, wo sie nicht durch verkehrsfunktionale Barrieren (Magistrale und Bahnlinie) getrennt sind. Rein quantitativ überwiegen die Merkmale der halboffenen und offenen Bebauung des Wohnsiedlungsbaus. Die Villenbebauung auf den Steilhängen zu beiden Seiten in dem nach Norden verengten Saaletal und die Villen im Nordosten des Paulusviertel haben höchste Qualität der Lesbarkeit im Rahmen der Topografie und der Anlage der öffentlichen Räume, ähnlich die Bebauung südlich der Magistrale bis zum Lutherplatz und die Siedlung Gesundbrunnen. Die Bebauungen von Halle-Neustadt und Halle-Süd sowie Silberhöhe zeigen zwar gleichartige Merkmale der Kartierung (nicht zuletzt wegen der unübersehbaren Höhe der Bebauung), sind jedoch als Stadtraum jeweils besser mit dem Auto zu er-fahren, als zu Fuß zu lesen. Es zeigt sich: Wo die Gliederung des Stadtraumes durch Plätze und Mischungen von Enge und Weite großflächig ersetzt wird durch die Geradlinigkeit von breiten, verschatteten Achsen und immer gleichen Umbauungen von Flächen ohne örtliche Besonderheiten, ist die Lesbarkeit nicht mehr allein aufgrund der Merkmale von Anordnung und Höhe der Bebauung auf der Fläche zu bestimmen, sondern wird durch die Gliederung des Kontextes bestimmt. Große Flächen aufgerissener, unbestimmter und äußerst fragmentarischer Raumbildung bestimmen die Randbereiche der Stadt, insbesondere im Nordosten und Nordwesten, aber auch im Süden zwischen den Plattenbausiedlungen sowie zwischen den Plattenbausiedlungen und den ehemaligen Dörfern.
In den Bereichen vorindustriell angelegter Kerne sind Merkmale eindeutiger Lesbarkeit infolge der Bebauung und ihrer Fügung im Kontext noch erstaunlich deutlich in Ansätzen zu erkennen (Diemitz, Beesen, Wörmlitz, Nietleben und Trotha). Nahezu völlig verdrängte Kerne (Passendorf, Böllberg) zeigen nur noch Relikte der besonderen Örtlichkeit. (Abb. 92)
Private Räume - Nutzbarkeit Die Nutzbarkeit auf privaten Flächen zeigt gravierende Abweichungen von den Merkmalen der Lesbarkeit. Dies ist bestimmt durch den hohen Anteil an gemeinschaftlich nutzbaren oder verkehrsfunktionalen Freiflächen, der die privaten Flächen in allen Teilen der Stadt, insbesondere aber in den großflächigen Wohnsiedlungen, bestimmt. Bereiche höchster bis mittlerer Nutzungsvielfalt sind kleinteilig eingestreut. Sie betreffen oft Gebiete festgestellter geringer Lesbarkeit. Eine Häufung dieser Bereiche entlang der Saale-Ufer und der Bäche im Süden der Stadt sowie in den verfestigten Kleingärten in Randlagen im Nordwesten, ist auffällig. In den Bereichen der vorindustriell angelegten Kerne ist wiederum Nutzungsvielfalt verstärkt vorhanden. Dies ist auf die halboffene bis offene Bebauung, auf Vorbereiche und auf die individuelle Zuordnung von Freiflächen zur Bebauung zurückzuführen. (Abb. 93)
Private Räume - Wandelbarkeit Bereiche der Nutzbarkeit und der Wandelbarkeit entsprechen sich räumlich in der Hinsicht, dass sie vom Spielraum auf verfügbaren Freiflächen abhängig sind. Dies wird deutlich an der Verteilung höchster Potentiale für Wandel in den Randlagen und an den Ufern der Saale und der Bäche im Süden. Die Wertigkeiten sinken im Verhältnis zwischen Siedlungszusammenhängen bis hin zu gefestigten Lagen der Innenstadt. Gerade dort sind höchste Potentiale jedoch wieder blockweise eingestreut. Dieses Bild zeigt, dass die Festigung und historische Identität der Innenstadt einerseits Hindernis und andererseits Herausforderung für Wandel ist, wo Flächen frei geworden sind.
Die hohen Potentiale in den Randlagen betreffen vor allem verfestigte Kleingartensiedlungen, die insgesamt kleinteilig veränderbar sind, nicht jedoch das Spannungspotential umfassen, das die Veränderung der historisch bedeutsamen Identitäten von Altstadt und südlich und nördlich angrenzenden Teilräumen tendentiell bestimmt. Die Lagen höchster Potentiale für Wandel betreffen auch und vor allem die Umgebungen vorindustriell angelegter Kerne. (Abb. 94)
Private Räume - „Topografie der Werte“ Obwohl die Innenstadt nur mittlere Werte der Nutzbarkeit und geringe Werte der Wandelbarkeit in historisch geprägten Lagen aufweist, wirken die Werte von Lesbarkeit, Nutzbarkeit und Wandelbarkeit insgesamt noch so zusammen, dass große Teile der Altstadt, der Übergänge zum Paulusviertel und das Paulusviertel selbst sowie die südliche Innenstadt bis zum Lutherplatz und weiter südlich angrenzende Bereiche höchste Werte zeigen. Wiederum ist es so, dass die Bereiche der vorindustriell angelegten Kerne, insbesondere in Uferlagen an Saale und südlichen Bächen, die höchsten Werte vereinen und ihre Umgebungen auch diese Werte tragen. Randlagen im Osten, Süden und Westen der Stadt zeigen ebenso höchste Werte wie das Zentrum von Halle-Neustadt und inselhafte Lagen entlang zentraler Haupterschließungsstraßen oder auch östlich der Bahnlinie zwischen Industriegebieten. Neben den Bereichen mittlerer Potentiale gibt es vereinzelt raumstrukturelle Problembereiche. Diese liegen u.a. am Weinbergweg, südlich der Richard-Paulick Straße und westlich der Otto Stomps Straße. Die dezentrale Verteilung höchster Werte auf Inseln unterschiedlicher Entstehungszeit im Stadtgrundriss zeigt, wie breit gefächert, ausgedehnt und spannungsvoll angelegt das Potential für die Erneuerung von Orten im Raumgefüge in Halle ist. Zu entdeckende Potentiale betreffen das Gebiet nördlich der äußeren Diemitzer Straße, entlang des Pappelweges, Heimstättenweges, westlich der Talstraße und Heideallee. (Abb. 95)
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 Abb.91: Private Räume - Verteilung von Typen
 Abb.92: Private Räume - Lesbarkeit
 Abb.93: Private Räume - Nutzbarkeit
 Abb.94: Private Räume - Wandelbarkeit
 Abb.95: Private Räume - "Topografie der Werte"
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