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Öffentliche Räume - Raumgefüge Das Gefüge der öffentlichen Räume zeigt eine Dreiteilung in Ost-West-Richtung mit eindeutiger Ausprägung des Stadtkerns mittelalterlicher Prägung mit gründerzeitlichen Erweiterungen in räumlicher Mitte der Stadt. Innerhalb dieser Dreiteilung bilden die vorindustriellen Kerne der Besiedlung „Stützorte“ der Tradition von gemischten Nutzungen. Auffällig ist die Anlage dieser Kerne entlang der Flussufer östlich und westlich der Saale sowie an kleineren Bächen westlich, östlich und südlich der Stadt. Trotz der eindeutigen Ausprägung einer funktionalen und räumlichen Mitte im mittelalterlichen Kern östlich der Saale gibt es eine enge räumliche und funktionale Verflechtung aller Kerne miteinander, jeweils zu beiden Seiten der Saale, mit einer Ausrichtung nach Osten, über die Bahnlinie hinweg. Die vorindustriell angelegten Überlandstraßen weiten die Mitte zu den Rändern hin auf und führen, - unterbrochen durch die monofunktionalen Verkehrsbauwerke der Nachkriegszeit parallel zu den Bahngleisen und in Ost-West-Richtung südlich der Stadtmitte -, zu den integrierten Zentren der Gründerzeitviertel und der Siedlungen der 1920er Jahre.
Prägungen aus der Gründerzeit im Norden und Süden und Prägungen der 1920er Jahre sowie unterschiedlicher Perioden der Nachkriegszeit im Süden bilden Ringe der Veränderung des Raumgefüges um den mittelalterlichen Stadtkern herum mit eindeutigem Schwerpunkt der Erweiterungen nach Süden hin. Im Westen der Saale bilden funktionale Straßen, ein großflächiger öffentlicher Freiraum und ein zentraler öffentlicher Platzraum das Gerüst für die funktionalen Elemente der flächenhaft konzentrierten Nachkriegsgründung „Halle-Neustadt“. Großflächige Freiräume nördlich und südlich des Stadtkerns ergänzen und verbinden die einzelnen Siedlungszusammenhänge aus unterschiedlichen Zeiten. Zentrale öffentliche Räume innerhalb der Siedlungsbereiche schaffen Orte der Orientierung in dieser langgestreckten „Mitte“ von Kern und Rändern. Die Saale-Inseln ergänzen diese Orte als stadtnahe Erholungsräume.
In dem am geringsten entwickelten Teil der Stadt, östlich der Bahnlinie, hat die Gründerzeit nur Spuren östlich des Bahnhofs hinterlassen. Hier gibt es, stärker als in dem mittleren und dem westlichen Teil, vor allem Fragmente dörflicher Besiedlung (ehemalige „Küchendörfer“), die durch industrielle Prägungen unterschiedlichen Ursprungs seit der Gründerzeit überformt worden sind. Öffentliche Räume, selbst solche aus der Gründerzeit, sind hier noch geprägt von der kleinteiligen Parzellierung der älteren, umgebenden Bebauung vorindustrieller Anlage. (Abb. 96)
Öffentliche Räume - Hierarchien Die räumliche Hierarchie der öffentlichen Räume mit Gefälle zwischen dem zentralen Kern und den Orten innerhalb der Erweiterungsbereiche ist wegen der traditionellen Verflechtung vieler Kerne einerseits und wegen der funktionalen Brüche nur als nivellierte Hierarchie zwischen Saale und Bahnlinie lesbar. Westlich der Saale und östlich der Bahnlinie gibt es dann deutlich andere Akzente: im Westen klaffen die Brüche zwischen der Neustadt und den eingeengten Dörfern auf. Im Osten gibt es eher flächenhafte Übergänge zwischen dörflicher und gründerzeitlich geprägter industrieller Besiedlung.
 | Der Marktplatz in Halle-Altstadt ist öffentlicher Raum oberzentraler Bedeutung (mittelalterlicher Ursprung) |  | In Halle Altstadt, östlich der Saale, gibt es eine eindeutige räumliche Hierarchie mit Gefälle von innen nach außen zwischen den oberzentralen Orten der mittelalterlichen Stadtzentrums (Marktplatz, Hallmarkt, Domplatz..) und den Räumen der städtischen Erweiterung aus verschiedenen Phasen |  | Eine Vielzahl kleinere Plätze bilden untergeordnete Hierarchien im mittelalterlich geprägten Stadtkern (Hallmarkt, Domplatz, Alter Markt..) |  | Stadtteilzentrale Platzräume prägen Paulusviertel (Rathenauplatz), Rannischen Platz und am Lutherplatz (Gründerzeitliche Erweiterungen) |  | In Halle-Neustadt, westlich der Saale, liegt eine nachgeordnete, weniger räumlich als funktional begründete Hierarchie in dem dortigen zentralen Bereich mit Konzentration von Einrichtungen für Versorgung, Kultur, Bildung und Freizeit |  | Ein Netzwerk an weniger hierarchisch organisierten Straßen und Platzräumen besteht in den Stadtteilen südlich und nördlich von Halle-Altstadt und Halle Neustadt |  | Überwiegend verkehrsfunktional organisierte und hierarchisierte Straßen- und Platzräume aus der Zeit des sozialistischen Stadtplanung (1955-1985) mit flächenhaften öffentlichen Freiraumnutzungen und fehlenden privaten Flächennutzungen (Südstadt, Silberhöhe, Halle-Neustadt, Heide Nord) bestimmen die Räume nach den Mustern der funktionalen Stadt |  | Eine nivellierte Hierarchie städtischer Räume besteht in Bereichen der Stadterweiterung nach 1989 häufig in Angliederung an ehemals dörfliche Siedlungen (Einfamilienhaussiedlungen Kröllwitz, Wörmlitz, Gewerbegebiete Peißen und Trotha).(Abb. 97) | Öffentliche Räume - Brüche Gravierende Veränderungen des Funktionsgefüges haben vor allem seit dem II. Weltkrieg stattgefunden. Die grundsätzliche Teilung der Funktionen im Südwesten bestimmte die Veränderungen der öffentlichen Räume wesentlich, nicht zuletzt in Form der rein funktionalen Ost-West-Achse zwischen Halle-Neustadt und dem Riebeck-Platz vor dem Bahnhof, die einen zeitgemäßen Beitrag der Nachkriegszeit zur „autogerechten Stadt“ darstellt, die die bisherige Öffnung der Stadt ins „Land“ nach Osten, zu den „Küchendörfern“ hin, durchbricht und eine eindeutig industrielle Stadtlandschaft über die Saale hinweg nach Westen hin herstellt und die Altstadt von den südlichen Erweiterungsgebieten abtrennt. Die Erweiterungsgebiete aus der Zeit nach dem II. Weltkrieg haben, mit Ausnahme von Halle-Neustadt, keine Identität mehr als Orte oder zusammenhängende städtische Bereiche. Es handelt sich um flächenhafte Additionen vielgeschossiger, stark verschattender Bebauung, für deren Erschließung nach Süden hin unüberschaubare Kreuzungen und breite Straßen als monofunktionale Verkehrsbauwerke errichtet wurden.
Brüche sind verursacht durch großflächige Bahnanlagen, flächenhafte industrielle Nutzungen in Verbindung mit den Gleisanlagen im Osten und Süden der Stadt, die Gleisanlagen zwischen Südstadt und Silberhöhe, die industriellen und gewerblichen Nutzungen in Verbindung mit der Saale-Aue, die Bundesstraßen B6 und B80 mit dem Knotenpunkt Riebeckplatz. Für das Raumgefüge ist dies insbesondere dort problematisch, wo kleinteiligere Strukturen durch solche Einflüsse eingeengt werden. (Abb. 98)
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 Abb.96: Öffentliche Räume - Gefüge
 Abb.97: Öffentliche Räume - Hierarchien
 Abb.98: Öffentliche Räume - Brüche
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