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Die Forschung beschäftigt sich mit den raumstrukturellen Dimensionen des bevorstehenden wirtschaftlichen und sozialen Strukturwandels der nächsten 50 Jahre und sucht nach Antworten in der Gegenwart, die Zukunft nicht ausschließen. Sie erkundet auch die Nahtstellen hierzu in Stadtökonomie und Stadtsoziologie. Die Methode der Untersuchung ist gestützt auf die Erfahrung vorausgegangener Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die jeweils die Langzeitentwicklung gesamter Städte unter raumstrukturellen Aspekten untersucht haben und dabei die Einflüsse von Wirtschaft, Technologie und Gesellschaft, insbesondere die Einflüsse sozialer und technologischer Innovationen, auf die strukturellen Bedingungen für den Wandel der Stadträume näher bestimmt haben. (Abb. 1)
Hierbei ist insbesondere von Bedeutung, dass der Wandel der Stadträume aufgrund der Ausmaße von Interdepenzbeziehungen der Elemente und Faktoren eine hohe Trägheit im Langzeitverhalten räumlicher Organisationen aufweist 27. Der Stadtgrundriss zeigt und trägt das Langzeitverhalten vorrangig, die Parzellierung hat eine ähnlich starke Wirkung, sofern sie nicht selbst dem Wandel massiv unterworfen wird. Die Gefüge öffentlicher und privater Räume sind deshalb gesamträumliche Spiegel dieser Prozesse. Sie lassen die Einflüsse historischer und auch gegenwärtiger Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft umfassend erkennbar werden. Sie bilden somit einen zentralen Querschnittsaspekt für die Themenfelder und Aspekte der Untersuchung.
Aktuelle Arbeitskreise und Fachkongresse zum Stadtumbau sowie Neuerscheinungen in der Fachliteratur bestätigen die Bedeutung des „öffentlichen Raumes“ und auch seiner Prägung durch angrenzende „private Räume“ für die Erneuerung der Städte. Diese Erfahrungen haben den Rahmen der Methode der Langzeituntersuchung erweitert und vertieft und dabei auch den Blick geöffnet für die ostdeutschen Besonderheiten in den Veränderungen nach der Wende. Hierbei spielt vor allem die Erfahrung der groß- und kleinräumlich „perforierten Stadt“ eine Rolle für die Anschauung aktuellen und bereits vollzogenen stadträumlichen Wandels [Anm. 28]. Hinzu kommen Erfahrungen aus der Betreuung von Testentwürfen in der Städtebau-Lehre für unterschiedliche Strategien des Rückbaus von Leerstand und für Ersatz von unwirtschaftlich gewordener Bebauung durch Neubebauung an unterschiedlichen Standorten der drei Städte: Die Bearbeitung der Entwurfsaufgaben hat aufgedeckt, dass die Fragmentierung infolge der Abwanderung von Wohnbevölkerung und Betrieben auch und vor allem mit teil- und gesamträumliche Mängeln in der räumlichen Organisation von Funktionen einher geht, und zentrale öffentliche Räume durch Leerstand infolge hoher Verkehrsbelastungen und mangelnder wohnungsnaher Freiräume am stärksten beeinträchtigt werden. Aufgrund dieser Erfahrungen ist die Methode eine Kombination mehrerer Analyse- und Auswertungsschichten mit historischen Längsschnitten und thematischen Querschnitten auf gesamt- und teilräumlicher Ebene.
Die Methode war in Grundlagen und Zielrichtung bereits in der Antragstellung näher bestimmt, jedoch nicht festgefügt. Erfahrungswissen und Erörterung von aktuellen Prozessen haben während der Bearbeitung dazu geführt, dass die Relevanz bestimmter, bisher nicht einbezogener theoretische Grundlagen entdeckt und integriert wurde, und dass die Rolle der digitalen Kartenanalyse für die Bearbeitung der thematischen Schwerpunkte überdacht wurde. Uneingeschränkt fortgeführt wurde der methodische Ansatz, dass das Projekt die Auswertung von Karten nur als Schlüssel zu historischen und gegenwärtigen Informationen zum Wandel der Stadträume nutzt. Thematische Schwerpunkte wurden als historische Längsschnitte generell verfolgt und mittels Kartenanalyse örtlich auf verfügbare Zeitschnitte bezogen. Interviews, Gespräche in unterschiedlichen Fachgremien und vor allem die Auswertung vorliegender Literatur zu den Wirkungen von Zeit auf Raum sowie zur stadtökonomischen Logik der Spiegelung der Kapitalverwertung im Raum bilden den Hintergrund für die Längsschnitte.
Dabei rückte die „funktionale Stadt“ in den Mittelpunkt der kritisch-kreativen Betrachtung von Geschichte. Paradigmenwechsel zur gesellschaftlichen „Produktion von Raum“ [Anm. 29] und zur Trennung zwischen Funktionen und Orten bzw. zu neuen Bedürfnissen von Verortung [Anm. 30] wurden in ihrer Vorgeschichte näher betrachtet. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden dann zum inhaltlichen Maßstab der Bewertung raumstruktureller Bedingungen. Den Anstoß zu dieser theoretischen Vertiefung hatte die Tagung „Soziale Stadt“ im Mai 2002 in Berlin mit dem Hinweis auf das Spannungsverhältnis „Systemwelten-Lebenswelten“ [Anm. 31] gegeben. Bereits vollzogene Ausarbeitungen zu diesem Themenfeld wurden dann auch bei der Stiftung Bauhaus, Dessau gefunden [Anm. 32].
Die auf diesen Grundlagen aufbauende Aufarbeitung der Literatur zu den Themenfelder „öffentliche/ private“ und „gebaute/ gelebte“ Räume sowie „Erneuerung“ von Raum als „Verflechtungsraum“ vergrößerte zunächst den Abstand in der inhaltlichen Diskussion mit den Städten, da – im Sinne langfristiger Lösungen – keine unmittelbar anwendbaren Antworten auf die herrschenden Konflikte mit der Wohnungswirtschaft geliefert wurden. Mittlerweile zeigt sich jedoch, dass auch die allgemeine Fachdiskussion soweit vorangeschritten ist, dass zunehmend langfristige Perspektiven für tatsächlich neue Ansätze gedacht und – in diplomatischer Form verpackt – geäußert werden. Bei der Entwicklung dieser Richtung in der Fachdiskussion hat das Projekt wesentliche Grundlagen geliefert, die in Form von Veröffentlichungen nach und nach „publik“ werden. Gegenstand der inhaltlichen Auseinandersetzung ist die allmähliche Integration einer westlichen Logik der Bodenmärkte mit Konzentration auf eine räumliche „Topografie der Werte“, die im Verhältnis zu herrschenden Eigentumsverhältnissen bisher nicht offensiv begrüßt und nicht für wirklich langfristig tragende Ziele der Qualifizierung der Stadträume genutzt wurde. Hierzu leistet die Forschung einen wesentlichen Beitrag, nicht zuletzt mit dem Blick auf strukturelle Potentiale der fortsetzbaren Erneuerung.
Dieser gesamträumliche und mehrschichtige Ansatz verfolgt die Hypothesen:
Die räumliche Form ist Ausdruck ihrer gesellschaftlichen Bedingungen.
Industrielle Prozesse und Phänomene des Wandels haben dort am ehesten Chancen, abgelöst zu werden, wo die Logik der Kapitalverwertung einen Bruch erlebt hat. Mit der Ablösung von industriellen Prozessen erfolgt eine Veränderung in der Trennung von Raum und Zeit, die für industrielle Prozesse typisch war.
Die industrielle Trennung von Raum und Zeit hat in Form von politischen Institutionen (z.B. Staat) und gesellschaftlichen Systemen (z.B. Geld) für einen abstrakten Ausgleich verlorener räumlicher Zuordnungen von Funktionen gesorgt. Die Erfahrung daraus war, dass die „Entbettung“ (Dislozierung) von Funktionen eine „Rückbettung“ (Relozierung) auf anderer Ebene erforderlich machte [Anm. 33].
Hieraus erwächst die These, dass die historische Aufhebung vieler Zusammenhänge von Raum und Zeit abgelöst werden kann durch neue Formen originärer „Einbettung“ von Funktionen in räumliche Zusammenhänge („Verflechtungsräume“), falls gesamträumlich innovative Veränderungen vollzogen werden. Raumstrukturelle Bedingungen haben eine materielle und eine immaterielle Dimension. Beide Dimensionen sind von Bedeutung für eine neue Verortung zeitlicher Einflüsse mit Synthesen von Gebrauchs- und Gestaltwerten für die Herstellung von „Verflechtungsräumen“.
Die Suche nach Anhaltspunkten für die Stärkung alter und die Entdeckung neuer Verflechtungsräume gehen perspektivisch einher mit der Stärkung von gemeinschaftlichen Interessen für langfristig taugliche Ziele der Erneuerung von örtlichen Besonderheiten in den Stadträumen.
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 Abb.1: Projektschema
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