| |

Daten
 | 1180, Anlage des Zentrums von Dessau als planmäßige städtische Siedlung |  | Um 1760, mit der Regierungsübernahme durch Fürst Franz, nehmen städtebauliche Ideale des Klassizismus Einfluss |  | 1949 sind 84% der Innenstadtbebauung zerstört |  | 1951 beginnt der Wiederaufbau von Marktplatz, Wohn- u. Ladenbauten in der Zerbster-, Post- u. Rabestraße |  | 1972 wird entsprechend dem Leitbild Wiederaufbau (Ost) die Museumskreuzung umgestaltet |  | In den 1990er Jahre gab es eine Verschiebung des Zentrums Richtung Zerbster Straße |
Öffentliche und private Räume
 | Kleiner mittelalterlicher Stadtkern in seiner Struktur nur noch fragmentarisch im Bereich von Markt- und Schlossplatz erkennbar |  | Durch die Kriegszerstörung und den Wiederaufbau geprägte Innenstadt |  | Verlust der ursprünglichen Kleinteiligkeit des mittelalterlichen Stadtzentrums aufgrund der Einpflanzung von Block-, Platten- und Hochhausbauten industrieller Fertigung in den Zentrumsbereich (z.B. Y-Hochhäuser im Stadtpark, Scheibe Nord.. . westlich des Rathauses) |  | Restaurierung des Marktes in den 1950er Jahren, jedoch ohne Wiederherstellung kleinteiliger räumlicher wie funktionaler Verflechtungen mit dem ‚Hinterland‘ |  | Prägung des Zentrums durch die von Fürst Franz angelegte spätklassizistische Stadtachse (Franz-/ Kavalierstraße) mit Orientierung auf die Johanniskirche |  | Netzwerk der mittelalterliche Straßen und Plätze kaum mehr erhalten – starke Überformung und Aufweitung der Straßen- und Platzräume im Zuge des Wiederaufbaus des Stadtzentrums (Überformung für eine ‚autogerechte Dessauer Innenstadt‘) |  | Dominanz der großmaßstäblichen Einzelbauten der 1990er Jahre im Stadtbild der Innenstadt (Rathaus-Center, UCI-Kino, Fürst-Leopold-Carré...) |  | Fehlende räumliche Bezüge zur nahen Muldelandschaft und den darin angrenzenden städtischen Erholungsräumen unter anderem hervorgerufen durch die Barrierewirkung der am Ufer der Mulde entlang laufenden Verkehrstrasse der B185 |  | Fehlende funktionale wie auch räumliche Verbindungen zwischen dem Stadtzentrum und der südlichen Innenstadt über die Mu-seumskreuzung hinaus |
Kerne – Ränder – Zwischenzonen Innerhalb des Zentrums sind mehrere Kern-Fragmente erkennbar: Oberzentral und das Rathaus mit Marktplatz, Zerbster Straße und Einkaufszentrum „Rathaus Center“ sowie mit dem Restbestand des Stadt-Schlosses und seinem Park; verkehrszentral die Geschäfte an der Museumskreuzung sowie der Bereich Hauptbahnhof, Kino, Fürst-Leopold-Carré. Zwischen diesen Kern-Fragmenten ist Wohnbebauung untergebracht und zeigt kleinere Kernansätze in Kreuzungsbereichen, vor allem im Dessauer Norden. Ränder sind die Bahnlinie im Westen und die Mulde mit paralleler Straßenführung von Hauptverkehrsstraßen im Osten. Eindeutige Ränder nach Süden und nach Norden gibt es nicht, da Dessau in Nord-Süd-Richtung entwickelt wurde und diese Ausrichtung den Stadtgrundriss prägt. Insofern gibt es das Zentrum im Norden bis zur Einmündung der Kavalierstraße in die Albrechtstraße und im Süden bis südlich der Museumskreuzung. Angrenzend beginnt dann die Ausdehnung der Innenstadt nach Norden und nach Süden. Im Norden bilden Kleingärten den Abschluss zwischen Stadt und Muldeufer; im Süden ist ein Friedhof südlich der Askanischen Straße integriert und leitet über zu größeren unbebauten Flächenzusammenhängen in Nord-Süd-Richtung. Zwischenzonen sind entlang der Bahnlinie (Industrie) und entlang der Mulde (Industrie und Sport) zu finden sowie eingestreut in den Stadtgrundriss überall da, wo massenhafte Wohnbebauung, vor allem der 1930er-1940er Jahre entstanden und nicht rechtzeitig modernisiert worden ist (Turmstraße), aber auch südlich und nördlich davon in Form der Plattenbauten aus der Nachkriegszeit. Einen eindeutigen Abschluss der Innenstadt nach Süden gibt es nicht.
Erneuerungstätigkeiten und Bodenwerte Erneuerung von Bausubstanz hat vor allem in zentraler Lage am Marktplatz stattgefunden, betrifft in erster Linie Gebäude unter Denkmalschutz und fehlt in den umgebenden Seitenstraßen teilweise. An der Museumskreuzung steht eine Blockecke in „Wartestellung“ leer, für die es ein Umnutzungskonzept zugunsten der Konzentration tertiärer Nutzungen gibt. Die Bodenwerte sind im Zentrum hoch; dies spiegelt vermutlich in erster Linie die Konzentration des Umsatzes im Rathaus-Center.
Gebaute und gelebte Räume - Bestand Gelebte Räume sind die Geschäftslagen, die Umgebung des Schlosses und die Muldeufer, soweit begehbar. Hinzu kommen die Balkone und öffentlichen Räume der Plattenbauten (Wohnnutzung) in unmittelbarer Nähe des Rathauses. In Dessau gibt es im Zentrum eine sehr eingeschränkte Tradition der unmittelbaren Verknüpfung gebauter und gelebter Räume auf privaten Flächen (Ausnahme Einkaufszentrum mit halböffentlichen, temporär gelebten Räumen). Gebaute Räume grenzen überwiegend an gelebte Räume im öffentlichen Raum.
Vorkriegssituation Das Zentrum der Stadt Dessau ist eindeutig erkennbar an der zentral erschliessenden Überbrückung der Mulde mit einer zum Muldeufer geöffneten Kopfsituation von Rathaus, Schloss und anderen öffentlichen Gebäuden auf vorgelagerter Muldeinsel. Diese Kopfsituation ist durch Bebauung und unregelmäßige Erschließung zwischen Rathaus und Bahnhof eng eingefasst. Parkanlagen und Gärten durchsetzen das Stadtgebiet in Form von Verbindungen. Die Muldeufer sind bebaut und bilden vielfältige Einheiten der Raumnutzung in enger Verknüpfung öffentlicher und privater Räume. Erst zur Bahn hin, westlich der langgestreckten Stadtmitte beginnt Industrieansiedlung und füllt die durch Bahngleise erschlossenen Zonen auf. Die zentralen Nord-Süd-Achsen der Stadt sind noch nicht unmittelbar miteinander verbunden, sonder finden Verbindung durch eine Straßenquerung nördlich des Marktplatzes. Die Museumskreuzung ist noch eng baulich gefasst und leitet nach Süden über zur platzartigen Aufweitung um das Leipziger Tor herum. Östlich der Brücke über die Mulde bildet die Wasserstadt eine in sich abgeschlossene Siedlungsanlage mit tiefen, gemischt genutzten Parzellen zu zwei Seiten einer weiterführenden Straße. (Abb 159)
Vorwendesituation Die Modernisierung der Stadt durch die Verbreiterung und die Anlage zentraler Straßen in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung wird deutlich. Zentrale Flächen zwischen Rathaus und Bahnhof sind unbebaut oder werden gestaltlos dargestellt, wie z.B. ehemalige Schlossgarten, der durch die Bundesstraße 1985 durchschnitten wurde. Die Nord-Süd-Achsen der Stadt sind über eine diagonale Verbindungsstraße miteinander verbunden. Die Museumskreuzung zeigt eine einseitige Rücknahme von Fluchten im nordwestlichen Teil der Kreuzung. Die Askanische Straße ist in ihrer Führung über die Bahn in Hochlage gelegt. Die Bebauung zwischen Bahnhof und Rathaus hat durch die Hofanlage an der Antoinettenstraße eine neue Fassung erhalten. Die Flächen südlich vom Bahnhof und westlich von Rathaus liegen brach. Das Theater hat seinen heutigen Standort eingenommen und einen Parkvorbereich erhalten. Es gibt weniger Raumgefüge und mehr Brüche im Stadtraum. (Abb. 160)
Nachwendesituation Die heutige Situation ist der von 1985 ähnlich. Allerdings sind das Fürst-Leopold-Carree und das Rathauscenter Versuche, die Lücken unbebauter Flächen durch Nutzungskonzentrationen zu füllen. Die Museumskreuzung zeigt auch südlich der Askanischen Straße nun ihre Rücknahme von Baufluchten zugunsten der Verkehrsführung. Ein städtebaulicher Wettbewerb zur Umgestaltung der Museumskreuzung befasste sich genau mit den dadurch entstandenen Problemen für den Stadtraum im Jahr 2002. Die Stadtmitte ist er-fahrbar als Konglomerat von Inseln konzentrierter Nutzungen. In der Stadtmitte gibt es Gebiete der Wohnnutzung neben solchen des Handels. Die Nutzbarkeit der Stadtmitte ist nur in wenigen Teilbereichen kleinteilig strukturiert. Rückwärtige Räume privater Nutzung sind überwiegend auf Balkone reduziert. (Abb. 161)
Gebaute und gelebte Räume - Bestand Gelebte Räume sind die Geschäftslagen, die Umgebung des Schlosses und die Muldeufer, soweit begehbar. Hinzu kommen die Balkone und öffentlichen Räume der Plattenbauten (Wohnnutzung) in unmittelbarer Nähe des Rathauses. In Dessau gibt es im Zentrum eine sehr eingeschränkte Tradition der unmittelbaren Verknüpfung gebauter und gelebter Räume auf privaten Flächen (Ausnahme Einkaufszentrum mit halböffentlichen, temporär gelebten Räumen). Gebaute Räume grenzen überwiegend an gelebte Räume im öffentlichen Raum. (Abb. 162)
Gebaute und gelebte Räume – Szenario Eine stärkere Verbindung der öffentlichen Räume zwischen Zentrum und Muldeufer, ohne Trennung durch die Straße, führt die Stadt an die Mulde heran. (Abb. 163)
Empfehlungen Orte Zu entdecken und zu stärken sind einzelne Kreuzungsbereiche, die mit Geschäftsnutzungen und Gastronomie das Stadtbild beleben und örtliche Besonderheiten, wie Kirchvorplätze etc., die Geschichte der Stadt tragen, hervorheben.
Öffentliche Räume Innerhalb der Nord-Süd-Ausdehnung des Stadtgrundrisses gilt es seitliche Räume im Sinne einer differenzierten räumlichen Hierarchie von Straßen- und Platzfolgen zu entdecken und im Gegenzug zur herrschenden Dominanz von Funktionalität (Verkehr, Handel) zu stärken. Die Kreuzungsbereiche von Dessau Nord bieten dazu viele Anhaltspunkte. Im Süden wären solche Orte im Zusammenhang mit Rückbau von Wohngebäuden und Freiraumgestaltung neu zu definieren. Die Verkehrsfunktionalität der Straßenführung entlang der Mulde wäre aufzuheben (idealerweise durch ein Absenkung der Straße).
Private Räume Die privaten Räume in Dessau Nord sowie auch in der Wasserstadt östlich der Mulde zeigen eine hohe Kultur der Verknüpfung gebauter und gelebter Räume. Im Süden bilden sie eher eine bunte Mischung von Minimierung und völliger Funk-tionalität. Eine Ausdehnung städtischer privater Räume mit Zuordnung privater Freiräume zur Bebauung wäre im Süden ein Schritt in Richtung einer neuen Verknüpfung von bebauten und gelebten Räumen und könnte dort zum Pilotprojekt werden, möglicherweise in Verbindung mit einer engeren Anbindung der Stadt an die Mulde. Hierbei sollten weitergehende Suburbanisierungen ausgeschlossen werden, Ränder aber bewusst auf privaten und öffentlichen Räumen gestaltet werden.
Unbebaute Räume Die Muldeufer sind als Überflutungsräume in ihrer Bedeutung für die Landschaft von Bebauung freizuhalten und durch Grünverbindungen vielfältig an die Innenstadt anzubinden. Die Grüninseln innerhalb der Stadt sind stärker räumlich miteinander zu verbinden.
Teilbereich Stadtpark – Marktplatz Der Teilbereich kennzeichnet eine Besonderheit von Dessau: Das Nebeneinander von baulich dicht genutzten und von unbebauten Flächen in der Stadtmitte. Die Raumstruktur hat seit dem 2. Weltkrieg ihren Charakter völlig verändert. Was vor dem Krieg zusammenhängend bebaut war, war nach dem Krieg freie Fläche in einem weniger differenzierten Stadtgrundriß. Das Rathaus-Center setzt durch seine flächendeckende Bebauung einen neuen baulichen Akzent, trägt aber nicht bei zur Differenzierung und Belebung der Raumgefüge. Lesbarkeit und Nutzbarkeit gehen keine sichtbare Synthese ein. Die Bebauung am Marktplatz hat nur noch eingeschränkt rückwärtige private Räume, die zur Integration des Marktplatzes in ein Netz von Bewegungen im Stadtraum beitragen könnten. Es gilt, ein solches Netz für die Integration der zentralen Räume anzulegen. (Abb. 164/165/166)
|
|
 Abb.159: Teilraum Zentrum - Vorkriegssituation
 Abb.160: Teilraum Zentrum - Vorwendesituation
 Abb.161: Teilraum Zentrum - Nachwendesituation
 Abb.162: Teilraum Zentrum - Gebaute und gelebte Räume - Bestand
 Abb.163: Teilraum Zentrum - Gebaute und gelebte Räume - Szenario
 Abb.164: Teilbereich Zentrum - Aufsicht
 Abb.165: Teilbereich Zentrum - Isometrie
 Abb.166: Teilbereich Zentrum
|
|