Verflechtungsräume

Verflechtungsräume – bis zum Jahr 2050
Räume örtlicher Verflechtung liegen im gesamten Stadtgebiet in halboffener, offener und freistehender Bebauung (auch in Kleingartenanlagen) an den Ränder der vorindustriell angelegten Kerne, wo Höfe innerhalb von Hausgruppen Nutzungsvielfalt und Schutz vor Einblicken herstellen (z.B. Alten, Mosigkau), wo Mistwege Gärten hinter den Reihen der Siedlungshäuser verbinden und Nebenanlagen eine Ausdehnung baulicher Nutzungen unterschiedlich prägen (z.B. Ziebigk, Törten), und wo freistehende Bebauung in Nähe zur Mulde in den 1930er Jahren angelegt wurde und umgebende Gärten ihre Eigenarten entfaltet haben (Dessau-Süd, Muldenähe). Diese Verflechtungsräume sind fortgesetzt erneuert worden, sind auch teilräumlich als Zusammenhänge erfahrbar und sind, mit Ausnahme der Einfamilienhaussiedlungen und der Kleingärten, an einmalig geprägte öffentliche Räume der Stadt- und Siedlungsgrundrisse gebunden.

In Dessau Nord gibt es Potentiale für kleinteilige Nutzungsvielfalt innerhalb freistehender, halbgeschlossener oder geschlossener Bebauung; die Verflechtung betrifft hier den gesamten Teilraum gründerzeitlicher Prägung. Stützorte der Verflechtung sind Handel und Dienstleistung in den Erdgeschossen der Bebauung; unbebaute Ecken und ihre Nutzung, z.B. für einen Imbissstand, bilden Identität von Verflechtung. Erneuerung hat hier erst seit den 1980er Jahren eingesetzt und Abrisspläne verhindert.

In der Stadtmitte haben die Einflüsse der Nachkriegszeit keine unmittelbaren Synthesen von gebauten und gelebten Räumen hinterlassen. Alle Räume scheinen öffentlich zu sein. Es fehlen private Rückzugsräume, die im Kontrast zu den wenigen machtvollen Relikten der Geschichte, Rathaus und Schloss, diese in ihrer Bedeutung als Orte öffentlicher Bedeutung für die Stadt herausstellen würden. Dennoch liegen gerade hier die stärksten Verflechtungen zwischen den einzelnen Orten im Raumgefüge; sie werden angezogen und getragen von dem Einkaufszentrum „Rathauscentre“, das den ehemaligen zentralen Platz der DDR-Stadt nahezu überbaut hat, und der der Umgebung die Kapazität für kleinräumliche Verflechtungen in breiterer Streuung entzogen hat. Erneuerung hat in allen Phasen stattgefunden. Doch: Eine Intensivierung von Nutzungsmischung wäre für die ganze Innenstadt wünschenswert. Die Industriegeschichte und die Kulturgeschichte in Dessau hat unbedingt zu erhaltende einzelne Gebäude innerhalb und an den Rändern der Stadtmitte hervorgebracht. Diese sind als zentrale gelebte Räume zu entdecken und umzunutzen. (Abb. 156)