Törten

Öffentliche und private Räume
Alter dörflicher Kern mit Erweiterungen in Form von Siedlungen aus den 1920/30er Jahren im Nordenwesten sowie aus der Vor- und Nachwendeperiode des 20. Jahrhunderts im Südosten
Dörfliche Prägung in den Nutzungen nur wenig beeinträchtigt
Dörfliche Strukturen noch gut lesbar erhalten
Vielfältig differenzierte öffentliche Räume
Dorfplatz als zentraler Platz erkennbar („Bürgerplatz”)
Übergänge zur umgebenden Landschaft an den Rändern der alten Siedlung erlebbar (Am Hang, Möster Straße)
Deutlich erfahrbare Raumzusammenhänge der dörflichen Struktur

Kerne – Ränder – Zwischenzonen
Der vorindustrielle Kern Törten ist der Ausgangsort für die Anlage der Stadtrandsiedlung der 1920er Jahre. Der Rand von vorindustriellem Kern und Siedlung wird durch die Muldeufer hergestellt. Angrenzende Siedlungen Schäferbreite und Bürgerfeld bilden gemeinsam mit Kern und Siedlung Törten ein Areal enger Verknüpfung gebauter und gelebter Räume auf privaten Flächen.

Erneuerungstätigkeiten und Bodenwerte
Die Gropius-Siedlung Törten sowie umgebende Siedlungen und Alt-Törten wurden in ihrem Altbaubestand kontinuierlich kleinteilig erneuert. Angrenzende Straßenzüge der Gropius-Siedlung Törten wurden neu bebaut. Die Bodenwerte sind, dem hohen Wohnwert entsprechend, hoch mit steigender Tendenz.

Vorkriegssituation
Die Vorkriegssituation des Teilraumes ist geprägt durch die in Nord-Süd-Richtun erschließende Straße im Westen, die Muldeufer im Osten, das Dorf Törten mit einer ersten Erweiterung nach Nordwesten im Süden und dem Beginn einer Siedlungsplanung weiter nördlich, östlich der Heidestraße. (Abb 183)

Vorwendesituation
Die Nachkriegssituation zeigt den vollen Ausbau der Flächen zwischen Heidestraße und Muldeufer durch niedrig-geschossige Siedlungen mit tiefen Gärten, in der von Gropius geplanten Siedlung in geschlossener Bauweise. Alle Siedlungsräume, auch die Einfamilienhausgebiete zur Mulde hin, bilden eindeutige Zusammenhänge von Raumnutzung und Anlage verbindender öffentlicher Räume. Die Übergänge zur Heidestraße sind baulich dichter genutzt und bilden Pufferzonen. (Abb. 184)

Nachwendesituation
Das dichte und kleinteilig gegliederte Feld von Siedlungsräumen ist in seinen Raumgefügen differenziert, ohne Achsialität aufzubauen. Blickbeziehungen sind angelegt, kleine Platzaufweitungen unterbrechen und Versorgungsangebote sind in zentralen Lagen eingestreut. Die Bebbaung entlang der Heidestraße zeigt Leerstand und teilweise Verfall, nicht zuletzt aufgrund der Bausubstanz, der geringen Schallisolierung und der Verkehrsbelastung. (Abb. 185)

Gebaute und gelebte Räume - Bestand
Gelebte Räume liegen in den unterschiedlichen Siedlungszusammenhängen auf vorderen und rückwärtigen Flächen, an zentralen Plätzen oder Kreuzungen sowie im Bereich der Muldeufer, die hier von durchfließenden Verkehren freigehalten sind. (Abb. 186)

Gebaute und gelebte Räume – Szenario
Eine Verbesserung der Verknüpfung entsteht durch Anreicherung von Versorgungsangeboten in zentralen Lagen, z.B. Kreuzungen. (Abb. 1

Empfehlungen
Orte
Siedlungseingänge und siedlungszentrale Räume sind zu entdecken und fortzuführen.

Öffentliche Räume
Die Gleichwertigkeit öffentlicher Räume für Fußgänger und Fahrverkehr und die Profilbildung durch Ausdehnung öffentlicher Räume in private Vorbereiche durch Baumpflanzung (Siedlung Törten) ist äußerst wertvoll und fortzuführen. Die Rahmenbildung der Bebauung für individuelle Ausprägungen der Fassaden ist fortzuführen (Siedlung Törten).

Private Räume
Die enge Verknüpfung von Innen- und Aussenräumen zeugt von hochwertiger Kultur einer dauerhaften Verbindung gebauter und gelebter Räume.

Unbebaute Räume
Die Muldeufer sowie zwischengelagerte Grünräume und rückwärtige Wege („Mistwege“) sind für die Erholungsnutzung sowie für die Differenzierung der Wegeverbindungen im Teilraum zugänglich zu halten und in ihrer Funktion als Erholungsräume vor Verkehr zu schützen.

Teilbereich Alt-Törten
Der Teilbereich Alt-Törten umfasst das vorindustriell angelegte Dorf mit zentraler Platzaufweitung durch den „Bürgerplatz“. Dieses Dorf wurde durch Wohnsiedlungserweiterungen des 20. Jhdt. umgeben, nicht jedoch wirklich überformt. Es schmiegt sich mit verwinkelter Straßenführung in die Muldeauen und setzt den regelmäßig angelegten Siedlungen die Attraktion eines einmaligen Ortes mit Fortführung kleinteiliger Nutzungsmischung entgegen. Wohnsiedlungserweiterungen haben auch in den 1990er Jahren östlich dieses Kerns durch Einfamilienhäuser kleinteilig stattgefunden. Der Ort könnte in seiner besonderen Lage und Attraktion zwischen Mulde und einem Schwimmbad für gemischte Nutzungen von Handwerk und Handel sowie für die Erholungsnutzung ausgebaut werden. (Abb. 188/189/190)