Öffentliche Räume

Öffentliche Räume - Raumgefüge
Das Gefüge der öffentlichen Räume zeigt eine starke Nord-Süd-Ausrichtung innerhalb des zentralen Siedlungsraumes westlich der Mulde. Vorindustrielle Kerne sind in dieses Gefüge integriert. In der Umgebung des zentralen Siedlungsraumes bilden vorindustrielle Kerne noch erkennbare Stützorte der allmählichen Erneuerung und Erweiterung von Besiedlung (Alten, Mosigkau), die sowohl westlich wie auch östlich nur über einzelne Straßen an das zentrale Siedlungsgefüge angebunden sind. Überformungen ehemaliger Dörfer durch Wohnbebauung sind seit den 1920er Jahren infolge der Industrialisierung vor allem in Nähe der Bahnlinien entstanden, die das Gebiet in Nord-Süd-Richtung parallel zur Mulde und in Ost-West-Richtung streckenweise parallel zur Elbe durchtrennen.Ein zentraler, mittelalterlich gegründeter Kern ist im Stadtgrundriss noch erkennbar innerhalb von Nachkriegswohnbebauung. Gründerzeitliche Erweiterungen dieses Kerns sind den starken Kriegszerstörungen zum Opfer gefallen und nur noch nördlich des mittelalterlichen Marktplatz in Ansätzen entlang der zentralen, nach Norden führenden Überlandstraße erhalten und durch kleinere städtische Platzaufweitungen aus dieser Zeit geprägt. Südlich anschließende Erweiterungsgebiete,- ursprünglich aus der Gründerzeit, heute aus der Nachkriegszeit, weiter im Süden aus den 1920er Jahren -, orientieren sich an der ebenfalls in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Franzstraße, einer frühklassizistischen Anlage, die in die nach Norden gerichtete Kavalierstraße einschwenkt. Großflächige öffentliche Freiräume runden die inselartig angelegten Siedlungszusammenhänge aus der Gründerzeit ab und verbinden zugleich mit angrenzenden Lagen aus den 1920er Jahren und aus späteren Perioden des Städtebaus mit aktueller Entwicklung seit 1990 zur Mulde hin.Städtische Plätze sind vor allem innerhalb des zentralen Siedlungsgefüges als flächenhafte Aufweitungen entstanden und bilden eine eigenwillige Synthese industrieller Prägung mit den vielen halböffentlichen Freiräumen der Nachkriegsbebauung, mit den Muldeufern und mit eingestreuten großflächigen öffentlichen Parkanlagen. In den umgebenden suburbanen oder auch noch erhaltenen dörflichen Kernen ist das Verhältnis von öffentlichen umbauten Räumen und öffentlichen Freiräumen ein eindeutig anderes: Zwar gibt es Plätze und öffentliche Grünflächen sowie alte Laubbäume im Straßenraum, die Bebauung ist jedoch eng zusammengerückt und bildet räumlich und funktional eng verflochtene Zusammenhänge öffentlicher und privater Räume mit integrierten Gärten innerhalb der besiedelten Bereiche.(Abb. 149)

Öffentliche Räume - Hierarchien
Eine eindeutige räumliche Mitte ist in Dessau im Gefüge der öffentlichen Räume kaum zu finden, obgleich der Marktplatz, die Zerbster Straße und der Schlossvorhof eine Art zentrale Raumsequenz bilden. Andere Orte wie Bahnhofsvorplatz, Theatervorplatz, Stadtpark und Franzstraße bilden eine vergleichbare Raumsequenz, die in einem Winkel auf die des mittelalterlich geprägten Stadtraumes trifft. Zentrale Orte in den vorindustriellen Siedlungskernen Alten, Mosigkau und Ziebigk bilden Kerne lokaler Verflechtung und sind deshalb von ähnlicher Bedeutung in der Hierarchie des gesamten Gefüges, obgleich sie dezentral gelegen sind. Orte innerhalb der Wohnbereiche, wie der Funkplatz im Norden und auch Orte an gemischt genutzten Ecken in Zoberberg bilden zusätzliche, nachgeordnete Kerne der Orientierung oder der Verflechtung. Zusammenhänge dieses Gefüges sind insgesamt, außerhalb des zentralen Nord-Süd-Bereiches kaum zu erfahren.

Markt und Schlossplatz als öffentliche Räume oberzentraler Bedeutung (Mittelalterlicher Ursprung) Gestörtes räumliches und funktionales Hierarchiegefälle von innen nach außen zwischen dem oberzentralen mittelalterlichen Zentrum (Markt, Schlossplatz) und den Räumen der städtischen Erweiterung und Eingemeindungen aus verschiedenen Phasen aufgrund der starken Kriegszerstörungen und der Transformation des Stadtgefüges im Zuge des Wiederaufbaus (einhergehende Weitung der Verkehrsräume für die „autogerechte Stadt“)
Netzwerk an weniger hierarchisch organisierten Straßen und Platzräumen in den Stadtteilen aus der Gründerzeit (Dessau Nord) und den Siedlungen des „Neuen Bauens” aus den 1920/ 1930er Jahren (Reform, Beims-Siedlung, Curie-Siedlung) (Abb. 140)

Öffentliche Räume - Brüche
Störungen von städtischen Raumzusammenhängen und Hierarchiegefügen waren und sind verursacht durch, die Bahnanlagen, die Transformation des Stadtzentrums durch Zerstörungen im und Wiederaufbau nach dem II. Weltkrieg, flächenhafte industrielle Nutzungen, vor allem entlang und der Gleisanlagen. (Abb. 151)