Gebaute und gelebte Räume

Die Trennung gebauter und gelebter Räume, sowie die damit verbundene soziale Bedeutung zentraler öffentlicher Räume ist DDR-spezifisch. Für alle Perspektiven einer Veränderung gebauter und gelebter Räume in Ostdeutschland zugunsten einer räumlichen Verknüpfung von Räumen wird auf gesellschaftliche Werte der DDR-Zeit zurückgegriffen, die gemeinschaftlich nutzbare und öffentliche Räume ohne kommerzielle Nutzung stützten. In diesem Sinne wird auch bei der kleinteiligen privaten Erneuerung immer ein Anteil öffentlicher oder teilraum-öffentlicher Flächen für unbedingt erforderlich gehalten. Diese Position widerspricht der Minimierung öffentlicher Räume nach dem Prinzip des kosten- und flächensparenden Bauens westlicher Prägung der 1970er-1980er Jahre. Sie stellt eine wesentliche Voraussetzung dafür da, dass öffentliche Flächen für das Wohl der Allgemeinheit hergestellt und privat finanziert werden. Sie stellt auch eine wesentliche Grundlage dar für das Verständnis der Pflichten privater Grundeigentümer gegenüber den Ansprüchen zum Wohl der Allgemeinheit. Vor diesem Hintergrund erhalten auch tiefe Parzellen oder Kleingärten im individuellen Besitz eine neue Bedeutung für die Herstellung neuer stadträumlicher Verflechtungen. Denn die Verflechtung kann unter neuen Vorzeichen auf der privaten Parzelle eingerichtet und von dort aus gepflegt werden. Mauern zur Abgrenzung von Nutzungen sind nur dann erforderlich, wenn keine Einigungen über gemeinschaftliche Nutzungsaktivitäten möglich sind. Hiermit erhält die tiefe Parzelle der Siedlung aus den 1920er Jahren wieder neue Bedeutung neben siedlungsöffentlichen Begegnungsräumen.